Ein Auslaufmodell oder Quelle neuer Hoffnung?
In seinem neuen Buch „Das Christentum ist Kult!“ stellt Kardinal Reinhard Marx eine ebenso provokante wie notwendige Frage: Hat das Christentum in unserer Gesellschaft überhaupt noch Zukunft? Angesichts massiver Glaubwürdigkeitskrisen und wachsender Kirchenaustritte fordert Marx eine Rückbesinnung – nicht in Form von Rückschritt, sondern als leidenschaftliches Plädoyer für Erneuerung aus dem Ursprung des Glaubens heraus.
Die Eucharistie als Quelle gesellschaftlicher Kraft
Für Marx ist das Herzstück des christlichen Glaubens die kultische Feier, konkret: die Eucharistie. In ihr sieht er nicht bloß eine liturgische Tradition, sondern eine lebendige, weltverändernde Praxis. Die Eucharistie öffne den Blick auf die Notwendigkeit der Verwandlung – von Mensch, Kirche und Gesellschaft. Der Gottesdienst sei kein bloßer Ritus, sondern ein Aufruf zu konkretem Handeln. Ethik, Soziallehre und Reformgeist gründen für Marx in dieser spirituellen Mitte.
Gegen den Untergangspessimismus
Der Ton des Buches ist kämpferisch, aber nicht resigniert. Marx widerspricht dem verbreiteten Bild eines Christentums im Abstieg. Stattdessen ruft er zu einem neuen Selbstbewusstsein auf – auch als Beitrag zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und zur Stärkung demokratischer Strukturen. Kirche soll nicht (nur) mahnen, sondern Hoffnung und Orientierung geben.
Theologisch fundiert, sprachlich zugänglich
Trotz der theologischen Tiefe ist das Buch gut lesbar. Marx argumentiert nachvollziehbar, ohne einfache Antworten zu geben. Vielmehr lädt er zur Auseinandersetzung ein – mit dem Glauben, der Kirche und der eigenen Haltung. Ein Buch für alle, die sich nicht mit Pauschalkritik oder Rückzug aus der Debatte zufriedengeben wollen.
Fazit: Ein Buch für diese Zeit
Inmitten kirchlicher Skandale und politischer Unsicherheit wirkt Marx’ Buch wie ein Lichtstrahl: unbequem, inspirierend, fordernd. Wer nach Gründen sucht, warum Christentum heute noch relevant sein kann, findet hier überzeugende Antworten. Ja – dieses Buch gehört ins Regal all jener, die Hoffnung nicht aufgeben wollen.